Apfelsaft selber machen

Rund 10 Liter Apfelsaft trinkt jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Somit gehört das Getränk hierzulande zu den beliebtesten Getränken. Gut dran ist, wer seinen Apfelsaft selber herstellen kann, weil im Garten oder auf der Obstwiese eigene Bäume stehen.

apfelsaft-selber-machen

Einerseits kann die Apfelernte optimal und nachhaltig verwertet werden, andererseits spielen Zusatzstoffe, wie sie oft in gekauftem Apfelsaft zu finden sind, keine Rolle. Selbstgemachter Apfelsaft ist gesund, erfrischt und schmeckt meist sogar viel besser als die gekaufte Variante. Die Herstellung von wohlschmeckendem Apfelsaft ist einfach, unkompliziert und kann mit den richtigen Utensilien fix geschafft sein.

Vom Apfelbaum in das Glas – das Aufsammeln der Früchte

Wer eine Streuobstwiese sein eigen nennt, kennt das: Der Herbst hielt Einzug, die Apfelbäume auf der Wiese beginnen, ihre Früchte abzuwerfen. Jetzt heißt es, schnell zu handeln. Die Äpfel müssen vom Boden aufgelesen werden, bevor sie verfaulen – was bei Äpfeln rasend schnell gehen kann. Bereits beim Aufsammeln der Äpfel sollte eine grobe Sortierung erfolgen. Verfaulte und schimmelige Exemplare werden zur späteren Entsorgung beiseite in einen Extra-Behälter gelegt.

Zur Weiterverarbeitung kommen nach Möglichkeit nur gesunde Früchte in die Sammelbehälter. Auch die Reife spielt eine Rolle. Unreife Früchte werden aussortiert, das sie unter anderem den Geschmack des späteren Apfelsaft oder Most negativ beeinflussen würden.

Waschen, reinigen, prüfen

Die Äpfel sind eingesammelt, die Streuobstwiese ist leer, die Eimer mit prallen Früchten gefüllt. Bevor es an die Produktion von leckerem Apfelsaft beziehungsweise Most in Eigenregie geht, steht die sorgfältige Reinigung der Früchte auf dem Programm.

Hygiene ist einer der wichtigsten Aspekte bei der Zubereitung von Lebensmitteln. Schließlich sollte sich beste Bio-Qualität am Ende in den Flaschen und Gläsern wiederfinden, ganz ohne verdorbene oder übel schmeckende Einheiten.

Das bedeutet im Einzelnen, dass die eingesammelten Äpfel gewaschen werden und bei diesem Reinigungsvorgang nochmals genau auf faulige, schimmelige oder wurmstichige Stellen hin untersucht werden. Kleine, faule Stellen können problemlos ausgeschnitten werden, wurmstichige Äpfel werden konsequent aussortiert. Hin und wieder kann es vorkommen, dass ein unreifer Apfel deutlich zu früh vom Baum fiel – auch dieser wird aussortiert.

Die erste, grobe Zerkleinerung

Die sauberen und sortierten Früchte werden im nächsten Schritt durch Zerkleinerung auf den eigentlichen Pressvorgang vorbereitet. Der Hintergrund ist leicht erklärt: Ganze Äpfel können nicht gepresst werden. Ergo müssen sie vorab zerkleinert werden.

Bei großen Erntemengen können die Früchte unmöglich von Hand in kleine Einzelteile geschnitten oder gequetscht werden, in der Regel werden die Äpfel mithilfe einer Obstmühle gequetscht. Am Ende kommt eine Masse heraus, die Apfelmus nicht unähnlich ist, allerdings sollte diese „Masse“ nicht ganz so flüssig wie Apfelmus sein. Dabei kann eine gute Obstmühle durchaus die Saftausbeute beim späteren Pressen erhöhen. Umgangssprachlich wird dieser Arbeitsschritt als Herstellung von „Maische“ bezeichnet. Diesem Arbeitsschritt schließt sich unmittelbar das eigentliche Pressen an.

Das Pressen als Königsdisziplin

Je nach Ernteaufkommen können verschiedene Obstpressen zum Einsatz kommen. Bei kleineren Mengen kann eine manuell betriebene Apfelpresse vollkommen ausreichen. Handelt es sich um eine große Menge an Früchten, die auf Verarbeitung warten, ist eine Hydraulikpresse die deutlich bessere Alternative. Elektrisch betriebene Pressen werden eigentlich nur in der industriellen Verarbeitung eingesetzt, bei kleineren Obstbauern spielen sie eher eine untergeordnete Rolle.

• Manuelle Obstpresse

Eine manuelle Apfelpresse wird mit einer Spindel betrieben. Vereinfacht erklärt, besteht diese Variante einer Presse aus einem Behältnis mit einem Ablauf, einem Presstuch, einer langen Spindel, einer Druckplatte, einem Hebel und wird per Muskelkraft betrieben.
Die zerkleinerten Äpfel werden in den Behälter gefüllt, der mit dem Presstuch ausgekleidet ist. Anschließend wird oben die Druckplatte auf das Erntegut gelegt und mit einer Spindel diese Druckplatte nach unten gekurbelt. Durch dieses Prinzip werden die zerkleinerten Äpfel nach unten gedreht und die Auflageplatte übt den nötigen Druck aus. Dabei wird das Erntegut praktischerweise gleichzeitig gefiltert, denn das in dem Behälter befindliche Presstuch lässt nur den reinen Saft durch, der über den Abfluss in einen Eimer abfließen kann.

Weitere Informationen über die verschiedenen Pressen finden Sie auf dieser Infoseite.

• Hydraulikpresse

Die Hydraulikpresse generiert den Druck, um den Saft aus den Äpfeln zu pressen, über Wasser. Ein handelsüblicher Gartenschlauch wird an die Apfelpresse angeschlossen und durch den dadurch entstehenden Druck dehnt sich ein in die Presse integriertes Gummimembran aus. Diese Ausdehnung führt dazu, dass die Maische gegen das Korbgitter an den Seiten gepresst wird, an dessen Rändern der eigentliche Saft abfließen kann.

Das Regulieren einer Hydropresse ist denkbar einfach: Der Wasserhahn wird auf- oder zugedreht. Im Normalfall geht der Druck einer Wasserleitung nicht über 3 bar hinaus, doch manchmal ist es sinnvoll, diesen Druck etwas zu verringern. Ergo – der Wasserhahn wird soweit zugedreht, bis die optimale Saftausbeute gewonnen wird.

Eine hydraulische Apfelpresse gibt es bereits für kleinere Erntemengen, ab etwa 20 Liter und reicht bis zu größeren Hydraulikpressen, etwa bis zu 180 Liter. Mit einer solchen Presse ist eine Ernteausbeute von bis zu 200 Liter Saft innerhalb weniger Stunden ohne große Muskelanstrengung realisierbar.

Warum die Investition einer Obstpresse sinnvoll ist

selbstgemachter-apfelsaftNatürlich lässt sich auch mit dem Entsafter aus dem Küchenschrank Apfelsaft selber herstellen – doch erstens macht eine kleine Küchenmaschine bei größeren Mengen mit Sicherheit schnell schlapp und zweitens spielt die Zeit eine wichtige Rolle. Mit einer guten, hydraulischen Presse können in einer halben Stunde rund 20 Liter Obst zu Saft verarbeitet werden. Das schafft keine Küchenmaschine!

Kommt jetzt das Argument, dass es sich einfach nicht lohnt, eine Hydraulikpresse für sein einzelnes Apfelbäumchen zu kaufen – stimmt. Dafür lohnt sich die Investition in eine manuelle Obstpresse. Mit einer solchen können im Durchschnitt pro Stunde locker 100 Kilo Äpfel verarbeitet werden.

Manuelle Pressen sind wartungsarm, leicht aufgebaut, teilweise sogar transportabel und liefern feinen Apfelsaft, der später entweder eingelagert oder zu Apfelmost weiterverarbeitet werden kann. Eine manuelle Apfelpresse ist entweder aus Holz oder rostfreiem Edelstahl hergestellt. Beide Varianten sind pflegeleicht und lassen sich nach der Ernte gut reinigen.

Und noch?

100 % Direktsaft von den eigenen Apfelbäumen – gesünder und mehr „Bio“ geht fast nicht. Zugegeben, einmal jährlich rückt die Arbeit in den Vordergrund, doch dafür profitiert man das restliche Jahr von gesundem Saft aus eigener Herstellung. Ob es jetzt Apfelsaft oder Apfelmost wird – das Prozedere bei der Herstellung ist gleich. Sammeln, waschen, zerkleinern, pressen. Und Letztgenanntes wird mit einer geeigneten Obstpresse tatsächlich zum Kinderspiel.

Apropos Kinderspiel: Beim Hantieren mit einer manuellen Obstpresse können Kinder wunderbar mit einbezogen werden. Stolz leuchtende Kinderaugen dürften das Resultat sein, wenn sie den Hebel drehen, der die Druckplatte nach unten zum Auspressen führt. Und passieren kann dabei wahrlich nichts, da eine manuelle Presse weder „nachläuft“, noch die Gefahr einer Fehlfunktion droht.

Bilder: https://www.flickr.com/photos/torange-biz/ und https://www.flickr.com/photos/aragornsbeard/ Lizenz: CC BY 2.0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*